| 05.07.10 - Rezension "Die Kälte darf nicht siegen" |
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| Geschrieben von: kaffeetrinker |
| Montag, den 05. Juli 2010 um 17:21 Uhr |
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"Die Kälte darf nicht siegen" von Gisela Mayer
Es musste erst der „ Amoklauf von Winnenden“ passieren, damit dieses Buch geschrieben werden konnte. 2001 – nach dem Amoklauf von Erfurt – gab es glücklicherweise noch keine verrohte, empathielose Gesellschaft und weder Ballerspiele noch Schusswaffen in Privatbesitz, deren Verbote man hätte propagieren können. Lassen wir jedoch hierzu die Autorin selbst zu Wort kommen:
„Eine derartige Reaktion, die an Zynismus und Gefühllosigkeit nicht zu überbieten ist, zeigt einmal mehr, was unsere Gesellschaft prägt: Man ist nicht wirklich interessiert am anderen, man nimmt nicht wirklich Anteil, Noch weniger ist man interessiert an Inhalten, mit denen man sich auseinandersetzen müsste und die vielleicht zu einschneidenden Veränderungen führen könnten. Man hat sich bequem eingerichtet, und daran wird sich auch nichts ändern, solange nicht im eigenen, sorgfältig geharkten Vorgarten eine Bombe einschlägt.“
Hier erübrigt sich jeder Kommentar und kostet gleich 2 Punkte Abzug von der Höchstpunktzahl.
Große Teile des Buches schildern gekonnt die Wurzeln einer immer kälter werdenden Gesellschaft: Den gewandelten bis nicht mehr vorhandenen Erziehungsstil im Großteil der Familien gepaart mit den Einflüsse der modernen Medien- und Konsumwelt. Aus ihrer langjährigen Praxiserfahrung als Ethiklehrerin berichtet Fr. Mayer von den dramatischen Folgen und bietet Einblicke in ihre eigene Auffassung von gelungenem Familienleben, aus denen interessierte Eltern sicher den ein oder anderen wertvollen Tipp gewinnen können.
Viel Raum wir hernach der umfangreichen Kritik der modernen Leistungsgesellschaft und vor allem des maroden Schulsystems eingeräumt. Was insgesamt beschrieben wird – jedoch ohne es einmal beim Namen zu nennen – sind die diversen direkten und indirekten Folgen des immer ungezügelteren Kapitalismus. Abhilfe wird von Gesellschaft und Politik gefordert . Das kranke System wird hier als alternativloser Sachzwang angenommen und soll sich nun doch irgendwann spontan selbst heilen. Für diese oberflächlichen Betrachtungen ziehe ich erneut einen Punkt ab.
Dennoch empfand ich einen großen Teil dieser Ausführungen durchaus als interessante Lektüre.
Für uns, die wir uns kritisch mit dem „Amoklauf“ und dessen unzähligen Widersprüchen und Logiklöchern befassen, ergibt sich nicht viel Neues zum Fall:
Erwartungsgemäß wurde auch Fr. Mayer von offizieller Seite aus dreist belogen, mindestens zweimal. Vordringlich wäre es nun ihre Aufgabe gewesen, hier Aufklärung und Konsequenzen zu fordern, anstatt fragwürdige Verbote von Ego-Shooter-Spielen und privatem Waffenbesitz.
Nichts dergleichen war bislang erkennbar. Dafür wieder einen Punkt Abzug.
Wer der Schilderung in einem anderen Kapitel Glauben schenkt, dass Tim K. während seiner 3 – 4 minütigen Bluttat auch noch die Zeit hatte gemächlich durch den Schulflur zu schlendern und sich Schaukästen anzusehen, ist selbst Schuld.
Auch in diesem Buch findet sich ein unvermeidliches Kapitel, zum Glück recht kurz:
Es heißt: „Wer war Tim K.?“, scheint mir aus frühen Medienberichten zum Fall unkritisch übernommen und liefert demnach das gleiche Zerrbild der Realität. Von eigener Recherche hier keine Spur. Besser hätte man dieses Kapitel eingespart. Es kostet einen weiteren Punkt.
Diesen Punkt vergebe ich allerdings wieder, da ich an vielen Stellen des Buches herauslese, wie viel Liebe und Mitgefühl Frau Mayer ihren Kindern gab und damit auch lehrte. Ich bin mir sicher, dass Frau Mayers verstorbene Tochter Nina diese Welt durch ihr Leben bereichert hat.
Somit von dieser Seite aus 1 von 5 Punkten.
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. Juli 2010 um 17:33 Uhr |



